Öffentliche Tagung

Ethische Entscheidungen am Lebensende im interkulturellen Kontext Deutsche und türkische Perspektiven

Universität Istanbul · Kongress- und Kulturzentrum, Beyazit Kampüsü, Istanbul

Entscheidungen über Therapiezieländerung und Therapiebegrenzung am Lebensende sind mit zahlreichen ethischen Fragen verbunden. Im Umgang mit der Abwägung zwischen einer auf Lebenserhalt oder auf Leidenslinderung abzielenden Therapie sind kulturell geprägte Wertvorstellungen von zentraler Bedeutung.

Zum Thema

Entscheidungen über Therapiezieländerung und Therapiebegrenzung am Lebensende sind mit zahlreichen ethischen Fragen verbunden. Im Umgang mit der Abwägung zwischen einer auf Lebenserhalt oder auf Leidenslinderung abzielenden Therapie sind kulturell geprägte Wertvorstellungen von zentraler Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund können in interkulturellen Behandlungssituationen am Lebensende ethische Interessen- und Entscheidungskonflikte entstehen, die nicht nur für Patienten und ihre Angehörigen, sondern auch für die Ärzte und das Pflegepersonal besondere Herausforderungen darstellen. Solche ethisch nicht klar abgesicherten Entscheidungs- und Handlungssituationen können in der klinischen Praxis erhebliche Unsicherheit bei allen Beteiligten hervorrufen.

Zu dem breiten Spektrum problematischer Situationen gehören der Umgang mit Informationen über schwerwiegende Diagnosen und infauste Prognosen, kulturelle Aspekte bei der Feststellung der Aussichtslosigkeit einer medizinischen Behandlung (medical futility) und unterschiedliche Auffassungen über den Stellenwert der Patientenautonomie und der Familienautonomie. Aufgrund kulturell bedingt divergierender Wertvorstellungen, aber auch wegen der unterschiedlichen ökonomischen und juristischen Rahmenbedingungen gestaltet sich der Umgang mit diesen Problemen am Lebensende in Deutschland und in der Türkei unterschiedlich.

Angesichts eines großen Anteils türkischstämmiger Patienten in Deutschland und eines wachsenden Anteils deutschstämmiger Patienten, die in der Türkei behandelt werden, möchten der Deutsche Ethikrat und türkische Wissenschaftler die dargestellten Themenbereiche interdisziplinär in einem öffentlichen Symposium behandeln. Ein solcher internationaler interdisziplinärer Austausch findet erstmals in der Geschichte der beiden Länder statt und soll dem besseren gegenseitigen Verständnis sowie der Verständigung mit Blick auf die Lösung von Problemen dienen. Ziel ist es, einen Beitrag zur Etablierung internationaler gesellschaftlicher Diskurse zu leisten sowie die Gesundheitspolitik für diese Probleme zu sensibilisieren.

Folgende Fragen stehen im Fokus dieser Veranstaltung:

Inwiefern unterscheiden sich ethische Auffassungen und rechtliche Rahmenbedingungen am Lebensende in Deutschland und in der Türkei?
Welche ethischen und rechtlichen Fragen und Herausforderungen entstehen jeweils in interkulturellen Behandlungssituationen in beiden Ländern?
Welche Lösungsansätze bieten sich für einen ethisch und rechtlich angemessenen Umgang mit diesen Fragen an?

Programm

Moderation der Tagung:
Rainer Brömer · Universität Istanbul

Begrüßung
Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Jutta Wolke · Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Istanbul

Sedat Murat · Vizerektor der Universität Istanbul

Medizinische Aspekte
Elisabeth Steinhagen-Thiessen · Deutscher Ethikrat
Präsentation

Oktay Demirkiran · Universität Istanbul

Diskussion

Juristische Aspekte
Jochen Taupitz · Deutscher Ethikrat
Präsentation

Yener Ünver · Özyegin Universität Istanbul
Präsentation

Diskussion

Ethische Aspekte
Michael Wunder · Deutscher Ethikrat
Präsentation

Ilhan Ilkilic · Deutscher Ethikrat; Universität Istanbul
Präsentation

Diskussion

Podiumsdiskussion
Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates
Elisabeth Steinhagen-Thiessen · Deutscher Ethikrat
Fatis Altindas · Universität Istanbul
Hakan Ertin · Universität Istanbul
Moderator: Ilhan Ilkilic · Deutscher Ethikrat; Universität Istanbul