Öffentliche Tagung

Gene-Drive – Vererbungsturbo in Medizin und Landwirtschaft

Ignatz Bubis-Gemeindezentrum, Festsaal, Savignystraße 66, 60325 Frankfurt am Main

Gene-Drives sind molekularbiologische Mechanismen, die für die beschleunigte Verbreitung eines genetischen Merkmals innerhalb einer Art sorgen. Neue Techniken der sogenannten Genom-Editierung wie CRISPR-Cas9, die besonders präzise und effiziente Eingriffe in das Erbgut erlauben, ermöglichen aktuell erstmals die biotechnologische Entwicklung und Anwendung von Gene-Drives.

Prof. Dr. Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

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Gene-Drives sind molekularbiologische Mechanismen, die für die beschleunigte Verbreitung eines genetischen Merkmals innerhalb einer Art sorgen. Neue Techniken der sogenannten Genom-Editierung wie CRISPR-Cas9, die besonders präzise und effiziente Eingriffe in das Erbgut erlauben, ermöglichen aktuell erstmals die biotechnologische Entwicklung und Anwendung von Gene-Drives. Das Ziel ist, gentechnische Veränderungen schnell in freier Wildbahn zu verbreiten und so den Genpool von Populationen zu beeinflussen. Da sich mithilfe von Gene-Drives auch Merkmale verbreiten lassen, die zu verminderter Fruchtbarkeit führen, kann die Technologie auch zur Dezimierung von Populationen eingesetzt werden – theoretisch bis hin zur Ausrottung ganzer Arten.

Wegen ihrer raschen Generationenfolge sind es derzeit vorwiegend Insekten, an denen Eingriffe mit Gene-Drive-Systemen erforscht werden. Eine ganze Reihe von Projekten zielt auf die Bekämpfung von Insekten ab, die gesundheitliche oder landwirtschaftliche Schäden verursachen. Beispielsweise sollen mit Gene-Drives Populationen von Mücken kontrolliert werden, die Krankheiten wie Malaria übertragen. Untersucht werden sowohl die radikale Möglichkeit, die den Malaria-Erreger übertragende Mückenart regional (oder sogar global) auszulöschen, als auch gentechnische Veränderungen, die die Weiterentwicklung des Erregers in der Mücke unterbinden und damit letztlich seine Übertragung auf den Menschen verhindern.

Den mit Anwendungen von Gene-Drive-Systemen verbundenen Chancen stehen allerdings schwer überschaubare ökologische Risiken sowie rechtliche und ethische Bedenken gegenüber. Mit seiner Veranstaltung möchte der Ethikrat daher einen Anstoß geben, über Fragen wie die folgenden zu diskutieren:

Welche Sicherungsmechanismen sind erforderlich, damit die Freisetzung mittels Gene-Drive veränderter Organismen keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat?
Dürfen Versuche mit Gene-Drives allein aufgrund nationaler Regelungen durchgeführt werden, oder braucht es hierfür aufgrund der grenzüberschreitenden Auswirkungen internationale Vereinbarungen?
Rechtfertigt die Bekämpfung von Hunger und Infektionskrankheiten die gezielte Ausrottung ganzer Arten?

Begrüßung
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Biologische Grundlagen und medizinische Anwendungspotenziale von Gene-Drives
Nikolai Windbichler · Imperial College London (UK)
Präsentation

Landwirtschaftliche Anwendungspotenziale von Gene-Drives
Marc F. Schetelig · Justus-Liebig-Universität Gießen; Fraunhofer IME, Gießen
Aus urheberrechtlichen Gründen können wir die Präsentation nicht einstellen, Sie können sich aber bei Interesse an den Referenten wenden.

Moderation: Ursula Klingmüller · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Technikfolgenabschätzung
Arnim von Gleich · Universität Bremen
Präsentation

Zur öffentlichen Wahrnehmung des Genome-Editings
Julia Diekämper · Museum für Naturkunde, Berlin
Präsentation

Moderation: Sigrid Graumann · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Diskussion

Umweltethische Perspektiven: Kann die gezielte Auslöschung einer Art gut und richtig sein?
Uta Eser · Büro für Umweltethik, Tübingen
Präsentation

Ökonomische Aspekte des Einsatzes von Gene-Drive
Justus Wesseler · Wageningen University & Research (NL)
Präsentation

Gene-Drives – Rechtliche und rechtsethische Fragen heute und in Zukunft
Silja Vöneky · Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Moderation: Carl Friedrich Gethmann · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Diskussion

Podiumsdiskussion 
Wie sollte eine angemessene Governance-Strategie für Gene-Drives aussehen?

Katja Becker · Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn
Mathieu Bangert · World Health Organization, Genf (CH)
Christoph Then · Testbiotech e.V., München
Joachim Schiemann · Julius Kühn-Institut, Quedlinburg

Moderation: Steffen Augsberg · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Schlusswort
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates