Psychische Erkrankungen

Depressionen bei Erwachsenen werden ebenso wie die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung bei Kindern immer häufiger diagnostiziert. Die Verordnung von Antidepressiva hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, die von Methylphenidat und ähnlichen Substanzen sind etwa um das Zehnfache angestiegen. Warum das so ist, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Führen die einen es auf eine bessere Diagnostik zurück, so halten die anderen gesellschaftliche Entwicklungen für die Ursache eines tatsächlichen Anstiegs der Erkrankungen und wieder andere sprechen davon, dass die Gesellschaft pathologisiert, was sie wegen mangelnder Anpassung nicht für "normal" hält und daher Krankheiten "erfindet", also soziale Probleme medikalisiert. Damit verbunden sind sozialethische, aber auch medizinethische Fragen. Insbesondere geht es dabei um die Grenzziehung zwischen behandlungsbedürftiger Abweichung und Normalität einerseits und Enhancement andererseits.

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