Jahresbericht

Jahresbericht 2025

Veröffentlicht: Mai 2026


Ende 2024 hatte sich der Rat in seiner neuen Zusammensetzung konstituiert. Gleich zu Beginn des Jahres 2025 folgte nun der nächste Schritt: Im Januar beschloss der Deutsche Ethikrat die Themen für seine ersten Stellungnahmen in dieser Amtsperiode. In einer öffentlichen Sitzung wurden zunächst mehrere Vorschläge debattiert. In der darauffolgenden Abstimmung wählte der Rat „Langzeitpflege“ und „Neurotechnologie“ für seine ersten Stellungnahmen aus. Beide Themen – stark beeinflusst vom gesellschaftlichen und technologischen Wandel – stellen auf die Probe, wie wir in Zukunft leben können und wollen.

Wie wir heute und in Zukunft zusammenleben wollen, war auch Thema der Jahrestagung des Deutschen Ethikrates im Juni in Berlin. Gesellschaftliche Polarisierung, soziale Ungleichheiten und globale Krisen stellen den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe. Wie kann Solidarität dennoch gelingen? Diese Frage war Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung. Dabei thematisierte der Rat gemeinsam mit den geladenen Expertinnen und Experten sowie dem Publikum, unter welchen Voraussetzungen solidarisches Handeln möglich wird, wo Solidarität an ihre Grenzen stößt und was wir tun können, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Die Tagung war innerhalb von zwei Tagen ausgebucht. 250 Menschen verfolgten die Veranstaltung vor Ort in Berlin, knapp 1.500 im Livestream. Neben den Vorträgen und Diskussionsrunden gab es auch künstlerische Beiträge, wie beispielsweise einen Auftritt des Straßenchor Berlin, sowie praktische Einblicke in die Arbeit von Ehrenamtlichen, die Solidarität im Alltag greifbar machten.

Ob Social Media, Neurotechnologie oder die Pflegekrise: Politische Entscheidungen sind vielfach auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen. Gleichzeitig gerät sie weltweit vermehrt unter politischen Druck, wird angezweifelt und teilweise diskreditiert. Welche Rolle kann und soll Wissenschaft in einer Demokratie spielen? Und wie kann in Zeiten von Wissenschaftsskepsis eine konstruktive Kommunikation mit Politikerinnen und Politikern, aber auch in die Öffentlichkeit hinein gelingen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Herbsttagung des Deutschen Ethikrates im Oktober in Heidelberg. Über 1.000 Gäste vor Ort und im Livestream verfolgten das Programm, das sowohl die Perspektive von Wissenschaft und politischer Praxis als auch Medien und Bevölkerung thematisierte.

Politikberatung gehört zu den Kernaufgaben des Deutschen Ethikrates. Laut Ethikratgesetz soll er Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln, vor allem bei Fragen auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften, erarbeiten. Das Jahr 2025 stand deshalb auch im Zeichen des Austausches mit Parlament und Regierung. Nach Antrittsbesuchen des Vorsitzenden und Vorstandes bei Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sowie Bundesforschungsministerin Dorothee Bär wurde der Dialog mit einem parlamentarischen Abend im Deutschen Bundestag im November fortgesetzt. In ihrer Eröffnung trat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hierbei mit dem Wunsch an den Ethikrat heran, das Thema „Social Media und Jugendliche“ auf die Agenda zu setzen. Dieses Thema wird der Ethikrat in einer Ad-hoc-Empfehlung behandeln, deren Bearbeitung im Jahr 2025 startete.

Auf internationaler Ebene war der Deutsche Ethikrat 2025 Gastgeber für das trilaterale Treffen mit den Ethikräten des Vereinigten Königreichs und Frankreichs und beteiligte sich auch an der Feier zum 40-jährigen Bestehen des schwedischen Ethikrates.

Der vorliegende Bericht umfasst gemäß § 2 Abs. 4 Ethikratgesetz die Aktivitäten des Deutschen Ethikrates und den Stand der gesellschaftlichen Debatte im Zeitraum von Januar bis Dezember 2025.