Öffentliche Anhörung

Phänomenologie der Sterbe- und Selbsttötungswünsche

Online-Veranstaltung

Thema

Sterbe- und Selbsttötungswünsche sind eingebettet in das komplexe Phänomen der Suizidalität, gleichwohl ist eine differenzierte Betrachtung ihres Verhältnisses zueinander nötig. Suizidales Begehren kann zwar als prägnanter Ausdruck eines Sterbewunsches interpretiert werden, nicht jeder Sterbewunsch führt aber zu einer latenten oder manifesten Suizidalität. Auf dieser Basis möchte der Deutsche Ethikrat die – mögliche – Freiheit von Selbsttötungsentscheidungen im Rahmen einer öffentlichen Anhörung diskutieren.

Nachdem in einer ersten Veranstaltung am 22.10.2020 zum Thema „Recht auf Selbsttötung?“ die normativen Fragen einer Freiverantwortlichkeit im Vordergrund standen, soll nun das Spektrum des Suizidbegehrens aufgefächert werden, um dieses dann exemplarisch an ausgesuchten Lebenslagen näher zu beleuchten. Konkret nimmt der Ethikrat Aspekte der Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen, im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und im Kontext palliativer Versorgung in den Blick sowie die Selbsttötung als Form der Lebensbilanzierung. Neben den inneren Motiven der Begehrenden sollen die sie beeinflussenden äußeren Faktoren thematisiert werden. Dabei gilt es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Lebenslagen herauszuarbeiten. Der Deutsche Ethikrat möchte mit den Expertinnen und Experten und dem Publikum u.a. folgende Fragen diskutieren:

  • Welche Kriterien sind aus der Suizidforschung für eine freiverantwortliche Entscheidung zum Suizid maßgeblich?
  • Welchen (z.B. zeitlichen) Dynamiken unterliegen persönliche Sterbewünsche? Welche Beständigkeit haben sie?
  • Welche Funktionen haben Suizidhandlungen für das Selbstkonzept der suizidalen Person? Lassen sich Sterbewünsche ausreichend verlässlich bestimmen und mit Blick auf Suizidalität voneinander unterscheiden?
  • Welche Rolle spielen – individuelle wie kulturdominante – ethische und/oder religiöse Deutungsmuster bei der Artikulation von Sterbewünschen?
  • Gibt es einen empirisch belegten Zusammenhang zwischen Suizidwünschen und Suizidhandlungen auf der einen Seite und dem Vorhandensein legaler (Organisationen zur) Suizidbeihilfe auf der anderen Seite?

Die Veranstaltung wird online auf der Website des Deutsches Ethikrates übertragen. Das Publikum ist herzlich eingeladen, den Debatten im Online-Chat und unter #Suizidbeihilfe auf Twitter zu folgen. Aufgrund der gebotenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ist eine Teilnahme vor Ort leider nicht möglich.

Weitere Informationen zur Teilnahme an der Online-Veranstaltung folgen in Kürze. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wir bitten um Verständnis, falls sich aufgrund der aktuellen Situation kurzfristig Änderungen bei der Übertragung der Veranstaltung ergeben sollten.

Programm

09:30 - 9:40
Begrüßung
Prof. Dr. Alena Buyx · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates


09:40 - 10:50
Sterbewünsche und Suizidbegehren

Prof. Dr. Raymond Voltz · Uniklinik Köln
Prof. Dr. Barbara Schneider · LVR-Klinik Köln

10:50 - 11:10
Kaffeepause

11:10 - 13:30
Suizidalität in verschiedenen Lebenslagen

Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen
Prof. Dr. Katja Becker · Universitätsklinikum Marburg

Suizidalität im Kontext von psychischen Erkrankungen
Prof. Dr. Ulrich Hegerl · Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Suizidalität im Kontext palliativer Versorgung
Prof. Dr. Claudia Bausewein · Klinikum der Universität München

Bilanzsuizidalität
Prof. Dr. Reinhard Lindner · Universität Kassel

13:30 - 13:40
Schlusswort
Prof. Dr. Alena Buyx · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Die Veranstaltung wird moderiert von Herrn Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Mitglied des Deutschen Ethikrates.