Demenz - Ende der Selbstbestimmung?

Handwerkskammer Hamburg, 20335 Holstenwall 12

Derzeit leben in Deutschland etwa eine Million Menschen mit Demenz und bis 2030 könnten, Prognosen zufolge, bis zu 1,7 Millionen Menschen betroffen sein. Demenz ist nicht nur eine Herausforderung für Angehörige, Pflegende und Medizin, sondern für die ganze Gesellschaft.

Am Rande der Tagung wird die Fotoausstellung "Alzheimer - eine andere Welt" von Claudia Thoelen gezeigt. Deutscher Ethikrat/Foto: Engel + Gielen

Zum Thema

Derzeit leben in Deutschland etwa eine Million Menschen mit Demenz und bis 2030 könnten, Prognosen zufolge, bis zu 1,7 Millionen Menschen betroffen sein. Demenz ist nicht nur eine Herausforderung für Angehörige, Pflegende und Medizin, sondern für die ganze Gesellschaft.

Die Selbstbestimmung gehört wesentlich zum Selbstverständnis des Menschen und ist ein zentraler Bezugspunkt ethischer Diskurse. Lange Zeit standen nur die mit Demenz verbundenen Defizite im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – mit der Folge, dass viele Menschen mit Demenz sich nach der Diagnose einer unangemessenen Bevormundung ausgesetzt fühlten. Es wurde häufig über sie und selten mit ihnen gesprochen. Es ist jedoch ethisch geboten, den Betroffenen selbst zu begegnen und deren Selbstbestimmung auch dann zu achten, wenn sie eingeschränkt ist. Inzwischen gibt es zunehmend Bemühungen, den Blick darauf zu richten, welche Fähigkeiten Menschen mit Demenz haben. Es werden die Möglichkeiten untersucht, ihren Willen besser wahrzunehmen sowie sie in ihrer Selbstbestimmung und Äußerungsfähigkeit zu unterstützen und zu respektieren. Dies kennzeichnet einen Perspektivwechsel, den der Deutsche Ethikrat mit seiner Veranstaltung weiter voranbringen möchte.

Diskutiert werden folgende Fragen:

  • Welchen Blick erhält man auf Demenz im Kontext der Alter(n)sforschung?
  • Wie viel Selbstbestimmung ist unter den Bedingungen von Demenz möglich?
  • Was ist nötig, um die Selbstbestimmungsfähigkeit Betroffener besser wahrzunehmen?
  • Welche Forschung und Ausbildung sind dazu nötig?
  • Welche Formen der Pflege unterstützen die Betroffenen in ihrer Selbstbestimmung?

Am Rande der Tagung wird die Fotoausstellung "Alzheimer – eine andere Welt" von Claudia Thoelen gezeigt.

Programm

Begrüßung
Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates
Dr. phil. Angelika Kempfert, Staatsrätin der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz
Dr. phil. Michael Wunder, Mitglied des Deutschen Ethikrates
Begrüßungsrede

Demenzielle Erkrankungen – Herausforderungen in einer alternden Welt
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Ursula Lehr, Ministerin a. D., Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen BAGSO e. V.
Präsentation (1,3 MB)

Die Lebensqualität demenzkranker Menschen erfassen und positiv beeinflussen – eine fachliche und ethische Herausforderung
Prof. Dr. phil. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg

Erste Fragerunde
Moderation: Dr. iur. Dr. h. c. Jürgen Schmude, Mitglied des Deutschen Ethikrates

Forschung mit Demenzbetroffenen – eine Notwendigkeit unserer Zeit?!
Prof. Dr. phil. Dr. med. Rolf-Dieter Hirsch, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie der Rheinischen Landesklinik Bonn
Präsentation (29,2 MB)

Demenz in der Pflege im häuslichen und stationären Bereich – wo klemmt es?
Dr. med. Margot Lucke, ehemalige Gutachterin des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung MDK Niedersachsen

Zweite Fragerunde
Moderation: Prof. Dr. theol. Eberhard Schockenhoff, Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

"Wir sprechen für uns selbst!" Menschen mit Demenz in eigener Sache
Peter Wißmann, Leiter der Demenz Support Stuttgart und Stellvertretender Vorsitzender der Aktion Demenz e. V.
Christian Zimmermann, Unternehmer, Alzheimerbetroffener
Helga Rohra, Fremdsprachenübersetzerin, Demenzbetroffene
Moderation: Prof. Dr. phil. Volker Gerhardt, Mitglied des Deutschen Ethikrates

Altern in Würde
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Otfried Höffe, Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen, Präsident der Nationalen Ethikkommission der Schweiz
Referat

Podiumsdiskussion
Teilnehmer:
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Ursula Lehr, Ministerin a. D., Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen BAGSO e. V.
Prof. Dr. med. Johannes Schröder, Leiter der Sektion Gerontopsychiatrie, Universitätsklinik Heidelberg
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Otfried Höffe, Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen, Präsident der Nationalen Ethikkommission der Schweiz
Helga Rohra, Fremdsprachenübersetzerin, Demenzbetroffene
Peter Wißmann, Leiter der Demenz Support Stuttgart und Stellvertretender Vorsitzender der Aktion Demenz e. V.
Moderation: Dr. phil. Michael Wunder, Mitglied des Deutschen Ethikrates