Öffentliche Diskussionsveranstaltung des Deutschen Ethikrates, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Brauchen wir eine neue Gentechnik-Definition? Naturwissenschaftliche, ethische und rechtliche Perspektiven der Regulierung genom-editierter Pflanzen

Kaiserin Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin

Neue molekularbiologische Techniken, die unter dem Begriff genome editing oder Genomchirurgie zusammengefasst werden, haben die gesamte molekularbiologische Grundlagenforschung, die Biotechnologie und die Biomedizin stark verändert. Die Techniken erlauben sehr präzise und kontrollierte Austausche und Löschungen einzelner DNA-Bausteine bis hin zu kompletten Gensequenzen und werden im Rahmen der Pflanzenzüchtung bereits breit eingesetzt.

Zum Thema

Neue molekularbiologische Techniken, die unter dem Begriff genome editing oder Genomchirurgie zusammengefasst werden, haben die gesamte molekularbiologische Grundlagenforschung, die Biotechnologie und die Biomedizin stark verändert. Die Techniken erlauben sehr präzise und kontrollierte Austausche und Löschungen einzelner DNA-Bausteine bis hin zu kompletten Gensequenzen und werden im Rahmen der Pflanzenzüchtung bereits breit eingesetzt. Im Ergebnis ist meist nicht mehr nachvollziehbar, ob die genomische Veränderung die Folge einer natürlichen Mutation, einer konventionellen Züchtungsmethode oder eines gezielten molekularbiologischen Eingriffs ist. Für das deutsche Gentechnikgesetz ist aber gerade die Unterscheidbarkeit von "natürlichen" Veränderungen und solchen, die auf "nicht natürlichem" Wege erreicht werden können, ein zentrales Element.

Die Weiterentwicklung molekulargenetischer Methoden hat also zum Verschwimmen der Differenzierbarkeit geführt und damit eine überaus kontroverse Debatte ausgelöst, was eigentlich als "gen-technisch veränderter Organismus" bezeichnet und entsprechend reguliert werden muss und was nicht. Dies wirft die Frage auf, ob die Gentechnik-Definition im Gentechnikgesetz grundlegend überarbeitet werden muss. Politik, Behörden, Gerichte und die Wissenschaft stehen vor der großen Herausforderung mit dieser veränderten Situation umzugehen und zeitgemäße Lösungen für die Regulierung genom-editierter Pflanzen zu finden.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutsche Ethikrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft möchten mit der Veranstaltung über die Entwicklungen in der Pflanzenzucht informieren und die daraus resultierenden ethischen und rechtlichen Fragen diskutieren.

Programm

Einführung

Jörg Hacker ML · Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Katja Becker ML · Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Session 1 – Naturwissenschaftliche Perspektive

Moderation: Ulla Bonas ML · Vizepräsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Konventionelle und molekulare Pflanzenzüchtung
Detlef Weigel ML · Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen
Präsentation

Nachhaltige Landwirtschaft und Biodiversität
Urs Niggli · Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Frick/CH
Präsentation

Diskussion

Session 2 – Rechtliche Perspektive

Moderation: Bernd Müller-Röber · DFG-Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung

Interpretation #1 des Gentechnikgesetzes hinsichtlich der Einordnung genom-editierter Pflanzen
Tade Matthias Spranger · Universität Bonn
Präsentation

Interpretation #2 des Gentechnikgesetzes hinsichtlich der Einordnung genom-editierter Pflanzen
Jens Kahrmann · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Präsentation

Diskussion

Session 3 – Ethische Perspektive

Moderation:  Steffen Augsberg · Deutscher Ethikrat

Widernatürlich geht nicht! Überlebenskultur als Erschaffung einer artifiziellen Natur
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Die gesellschaftliche Akzeptanz von genetisch modifizierten Nahrungsmitteln: Eine sozial-psychologische Analyse
Wolfgang Stroebe ML · Universität Groningen/NL
Präsentation

Diskussion

Podiumsdiskussion: Brauchen wir eine neue Gentechnik-Definition?

Moderation: Hans-Georg Dederer · Universität Passau

Detlef Bartsch · Leiter der Abteilung Gentechnik, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Harald Ebner MdB · Bündnis 90/DIE GRÜNEN; Bundestags-Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung

Margret Engelhard · Fachgebietsleiterin "Bewertung gentechnisch veränderter Organismen/Gentechnikgesetz", Bundesamt für Naturschutz

Stephanie Franck · Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter