Klimaethik

Der Erderwärmung entgegenzuwirken und einen verantwortlichen Umgang mit den Folgen des Klimawandels zu finden, gehört zu den großen Menschheitsaufgaben der Gegenwart. Dies beinhaltet neben enormen wissenschaftlichen, technologischen und politischen Herausforderungen auch schwierige ethische Probleme.

Einige wichtige Gerechtigkeitsfragen ergeben sich schon aus der besonderen zeitlichen Dimension der Klimakrise. Klimatische Veränderungen treten so allmählich ein, dass viele Personen, deren Entscheidungen und Handlungen maßgeblich zur aktuellen Problemlage beigetragen haben oder noch beitragen, entweder schon tot sind oder künftige Folgen des Klimawandels nicht mehr erleben werden. Diejenigen Menschen hingegen, die voraussichtlich am meisten unter der drohenden Verschlechterung der Lebenssituation zu leiden haben werden, sind noch jung oder noch nicht einmal geboren. Besonders ungerecht könnten es die Jüngeren unter den heute Lebenden finden, wenn sie ihre Lebensweise zukünftig umso mehr einschränken müssten, weil die gegenwärtig Verantwortung tragenden Personen trotz besseren Wissens zu wenig gegen den Klimawandel unternehmen.

Diese Überlegungen veranschaulichen, dass der angemessene Aufwand für Maßnahmen gegen den Klimawandel zwischen den miteinander lebenden Generationen umstritten sein kann. Bereits innerhalb einer Gesellschaft bilden sich weitere Konfliktlinien zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen. Zusätzlich müssen nationale Interessen abgeglichen werden mit solchen anderer Länder oder Erdteile. Dabei ergeben sich ganz andere Konsequenzen je nachdem, woran man sich bei der internationalen Verteilung der Lasten des Kampfes gegen die Klimakrise orientiert. So kann man in historischer Perspektive aufrechnen, welche Treibhausgas-Emissionen verschiedene Länder über einen längeren Zeitraum insgesamt zu verantworten haben. Oder man stellt in besonderer Weise in Rechnung, in welchem Maße sie gegenwärtig zum globalen Bevölkerungswachstum beitragen.

Zu diesen und anderen ethischen Fragen, die mit der Klimakrise im Zusammenhang stehen, möchte der Deutsche Ethikrat mit einer Stellungnahme Orientierung bieten. Seinem gesetzlichen Auftrag gemäß adressieren die Überlegungen des Rates in erster Linie den Zuständigkeitsbereich der deutschen Klimapolitik, dies jedoch im Bewusstsein der globalen Verantwortungsverhältnisse.


Arbeitsgruppe

  • Helmut Frister
  • Armin Grunwald (stellvertretender Sprecher)
  • Stephan Kruip
  • Frauke Rostalski
  • Kerstin Schlögl-Flierl (Sprecherin)
  • Mark Schweda

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