Personalisierte Medizin – der Patient als Nutznießer oder Opfer?

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Die Entwicklung und Anwendung von Medikamenten und Therapien erfolgte bisher nach dem Prinzip „one fits all“ überwiegend für recht große Gruppen von Patienten. Die sogenannte personalisierte Medizin führt aufgrund neuer Erkenntnisse über genetische Profile und Biomarker zu einem weitaus differenzierteren Vorgehen. Menschen mit scheinbar derselben Erkrankung reagieren zum Beispiel aufgrund ihrer individuellen Merkmale höchst unterschiedlich auf ein und dasselbe Medikament: Wird bei dem einen trotz hoher Dosierung gar kein Nutzen erzielt, profitiert ein anderer mit großer Wahrscheinlichkeit schon bei geringer Dosierung.

Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Zum Thema

Die Entwicklung und Anwendung von Medikamenten und Therapien erfolgte bisher nach dem Prinzip „one fits all“ überwiegend für recht große Gruppen von Patienten. Die sogenannte personalisierte Medizin führt aufgrund neuer Erkenntnisse über genetische Profile und Biomarker zu einem weitaus differenzierteren Vorgehen. Menschen mit scheinbar derselben Erkrankung reagieren zum Beispiel aufgrund ihrer individuellen Merkmale höchst unterschiedlich auf ein und dasselbe Medikament: Wird bei dem einen trotz hoher Dosierung gar kein Nutzen erzielt, profitiert ein anderer mit großer Wahrscheinlichkeit schon bei geringer Dosierung.

Zunehmende Kenntnisse über individuelle Unterschiede auf molekularer Ebene nähren die Hoffnung auf gezielte und effektive Behandlungsstrategien unter Vermeidung belastender Nebenwirkungen.

So begrüßenswert dies ist, so laut sind auch die Zweifel und Fragen:Nutzt die personalisierte Medizin dem Patienten und welche Pflichten bringt sie für Patient und Arzt mit sich?

  • Kann in Zukunft jeder Patient die wirksamste Therapie erhalten?
  • Bewirkt die personalisierte Medizin einen Wandel des Arzt-Patienten-Verhältnisses?
  • Wie wird sich die personalisierte Medizin voraussichtlich auf die Gesundheitskosten auswirken? Wird das Solidarsystem der Krankenversicherung davon überfordert?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich für die pharmazeutische Forschung?

Mit seiner Jahrestagung möchte der Deutsche Ethikrat ethische und gesellschaftliche Fragen der personalisierten Medizin in den Blick nehmen und dabei den Patienten in den Mittelpunkt stellen. Drängende Fragen zukünftiger medizinischer Versorgung werden vor dem Hintergrund des derzeitigen Forschungsstandes mit Medizinern, Natur- und Geisteswissenschaftlern, Vertretern der Patienten und der Wirtschaft sowie mit der Öffentlichkeit diskutiert.

Podiumsdiskussion (v. l.): Manfred Dietel, Daniela Steinberger, Eckhard Nagel, Wolfram-Arnim Candidus und Giovanni Maio, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Programm

Einführung

Begrüßung
Prof. Dr. med. Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates
Referat

Personalisierte Medizin – zum Stand der Forschung
Prof. Dr. rer. nat. Heyo Klaus Kroemer · Pharmakologisches Institut, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. med. Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Der Patient und der Arzt

Personalisierte Medizin aus Sicht des Patienten – Nutzen oder Überforderung?
Prof. Dr. rer. nat. Barbara Prainsack · Centre for Biomedicine & Society (CBAS), Brunel University, London
Präsentation

Personalisierte Medizin – neue Anforderungen an den Arzt?
Prof. Dr. med. Jürgen Wolf · Centrum für Integrierte Onkologie (CIO), Universitätsklinik Köln
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. iur. Jochen Taupitz · Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Der Patient und die gesellschaftliche Solidarität

Patientennutzen um jeden Preis?
Hardy Müller · Wissenschaftliches Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG), Hamburg
Präsentation

Personalisierte Medizin – Ende der Solidarität?
Prof. Dr. med. Dr. phil. Heiner Raspe · Akademisches Zentrum für Bevölkerungsmedizin und Versorgungsforschung (aZBV), Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. theol. Peter Dabrock · Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Der Patient in der personalisierten Medizin – Forschungsstrategien im Wandel

Personalisierte Medizin als Herausforderung für die Pharmaindustrie
Dr. rer. nat. Hagen Pfundner · Geschäftsführer der Roche Deutschland Holding GmbH, Grenzach-Wyhlen
Präsentation

Evidenzbasierung und personalisierte Medizin – ein Widerspruch?
Prof. Dr. med. Jürgen Windeler · Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Wolf-Michael Catenhusen · Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Der Patient der Zukunft – Nutznießer oder Opfer personalisierter Medizin?

Podiumsdiskussion
Prof. Dr. med. Daniela Steinberger · bio.logis Zentrum für Humangenetik, Frankfurt a. M.
Prof. Dr. med. Giovanni Maio · Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Wolfram-Arnim Candidus · Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e. V., Berlin
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Dietel · Institut für Pathologie der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin
Moderation: Eckhard Nagel · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. theol. h. c. Eckhard Nagel · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Schlusswort
Prof. Dr. med.Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates