Medizinischer Fortschritt auf wessen Kosten? Arzneimittelforschung im globalen Kontext

dbb Forum Berlin, Atrium I+II und Lichthof, Friedrichstraße 169/170, 10117 Berlin

Medizinischer Fortschritt ist nicht möglich, ohne dass neue Arzneimittel und Therapien am Menschen erprobt werden. Im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach medizinischem Fortschritt einerseits und dem Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Probanden und Patienten andererseits stellen sich daher fortwährend ethische Fragen, vor allem dann, wenn Probanden Belastungen auf sich nehmen und von dem betroffenen Forschungsvorhaben keinen direkten Nutzen erwarten können. Dies gilt insbesondere, wenn Forschung an Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern durchgeführt wird.

Podiumsdiskussion: Amar Jesani, Inder Sen Gandhi, Silja Vöneky, Ludwig Siep, Wolfgang Huber (v.l.), Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Zum Thema

Prof. Dr. med. Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Medizinischer Fortschritt ist nicht möglich, ohne dass neue Arzneimittel und Therapien am Menschen erprobt werden. Im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach medizinischem Fortschritt einerseits und dem Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Probanden und Patienten andererseits stellen sich daher fortwährend ethische Fragen, vor allem dann, wenn Probanden Belastungen auf sich nehmen und von dem betroffenen Forschungsvorhaben keinen direkten Nutzen erwarten können. Dies gilt insbesondere, wenn Forschung an Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern durchgeführt wird.

Die Europäische Kommission hat im Juli 2012 einen Vorschlag vorgelegt, mit dem Arzneimitteltests an Menschen innerhalb der EU erleichtert werden sollen. Als besonders bedenklich wird in diesem Zusammenhang angesehen, dass nach den Plänen der Kommission Schutzstandards innerhalb der EU abgesenkt würden. Darüber hinaus ist es wichtig, in der aktuellen Debatte auch die Durchführung von Medikamententests in Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen weniger strenge forschungsmedizinische und ethische Standards gelten, in den Blick zu nehmen.

Es ist das Anliegen des Deutschen Ethikrates, diese Problematik im Rahmen seiner Jahrestagung in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken und gemeinsam mit Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen einen differenzierten gesellschaftlichen Diskurs unter Berücksichtigung folgender Aspekte zu befördern:

  • Wie werden die derzeitigen ethischen Grundsätze und gesetzlichen Regelungen für die Forschung am Menschen in Deutschland und Europa umgesetzt und reichen diese aus?
  • Welche Vor- und Nachteile haben die geplanten neuen EU-Vorgaben zur Forschung am Menschen in ethischer und rechtlicher Hinsicht?
  • Schützen die bisher bestehenden Ethikkommissionen den Probanden in der erforderlichen Art und Weise und, wenn ja, gefährdet die neue EU-Verordnung diesen Schutz?
  • Können einheitliche globale Standards für die Forschung am Menschen gerechtfertigt werden, und wenn ja, was kann für deren Verrechtlichung, Durchsetzung und Einhaltung getan werden?
  • Welche Verantwortung haben die Industrieländer hinsichtlich der Einhaltung ethischer Standards, wenn sie von Forschung profitieren, die in Entwicklungs- und Schwellenländern am Menschen betrieben wird?

Programm

Einführung

Begrüßung
Prof. Dr. med. Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Die Forschung am Menschen in Europa heute und in Zukunft

Die neue EU-Verordnung zur Arzneimittelforschung am Menschen – Ziele und Erwartungen
Prof. Dr. med. Ignaz Wessler · Landesärztekammer Rheinland-Pfalz
Präsentation

Rechtliche Vorgaben und Möglichkeiten für die Forschung am Menschen
Prof. Dr. iur. Andreas Spickhoff · Georg-August-Universität Göttingen
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Dipl.-Psych. Dr. phil. Michael Wunder · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Ethische Standards und ihr Schutz durch Ethikkommissionen

Ethische Rahmenbedingungen für die Arzneimittelforschung
Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann · Ruhr-Universität Bochum
Präsentation

Probanden- und Patientenschutz in der Forschung durch Ethikkommissionen?
Prof. apl. Dr. theol. Monika Bobbert Dipl.-Psych. · Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. iur. Jochen Taupitz · Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Arzneimittelforschung zu unserem Nutzen, aber auf Kosten anderer?

Arzneimittelforschung in Entwicklungs- und Schwellenländern
Dr. Inder Sen Gandhi · Vimta Labs Ltd, Hyderabad, Indien
Präsentation

Ethische Standards in der Arzneimittelforschung in Indien
Dr. Amar Jesani · Centre for Studies in Ethics and Rights, Mumbai, Indien
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Dr. med. Christiane Fischer · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Probanden- und Patientenschutz in Entwicklungs- und Schwellenländern

Philosophische Überlegungen zur Forschung am Menschen – Welche Standards sind gerecht?
Prof. Dr. phil. Ludwig Siep · Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Präsentation

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. med. Claudia Wiesemann · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Podiumsdiskussion
Dr. Inder Sen Gandhi · Vimta Labs Ltd, Hyderabad, Indien
Dr. Amar Jesani · Centre for Studies in Ethics and Rights, Mumbai, Indien
Prof. Dr. phil. Ludwig Siep · Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. iur. Silja Vöneky · Mitglied des Deutschen Ethikrates
Moderation: Prof. Dr. theol. Dr. h. c. Wolfgang Huber · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Diskussion mit dem Publikum
Moderation: Prof. Dr. theol. Dr. h. c. Wolfgang Huber · Mitglied des Deutschen Ethikrates

Schlusswort
Wolf-Michael Catenhusen · Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates