Forum Bioethik

Streitfall Babyklappe - Ein Jahr nach der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Babyklappe und anonyme Geburt werden kontrovers und emotional diskutiert. Seit 1999 wird in Deutschland von kirchlichen und anderen freien Trägern und Krankenhäusern die Möglichkeit angeboten, ein Kind in einer Babyklappe anonym abzugeben oder nach medizinisch betreuter Geburt anonym zurückzulassen. Anonyme Kindesabgaben sollen verhindern, dass Neugeborene getötet oder ausgesetzt werden. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass dies gelingt. Eine anonyme Geburt soll darüber hinaus Frauen, die ihre Mutterschaft geheim halten wollen, eine medizinisch begleitete Entbindung ermöglichen. Die Angebote sind allerdings ethisch und rechtlich sehr problematisch und haben schwerwiegende Folgen für die Kinder, die an der Anonymität ihrer Herkunft lebenslang zu tragen haben, sowie für Mütter und manchmal auch Väter, denen der Kontakt zu ihren leiblichen Kindern lebenslang verschlossen ist.

Prof. Dr. med. Christiane Woopen, Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Zum Thema

Babyklappe und anonyme Geburt werden kontrovers und emotional diskutiert. Seit 1999 wird in Deutschland von kirchlichen und anderen freien Trägern und Krankenhäusern die Möglichkeit angeboten, ein Kind in einer Babyklappe anonym abzugeben oder nach medizinisch betreuter Geburt anonym zurückzulassen. Anonyme Kindesabgaben sollen verhindern, dass Neugeborene getötet oder ausgesetzt werden. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass dies gelingt. Eine anonyme Geburt soll darüber hinaus Frauen, die ihre Mutterschaft geheim halten wollen, eine medizinisch begleitete Entbindung ermöglichen.
Die Angebote sind allerdings ethisch und rechtlich sehr problematisch und haben schwerwiegende Folgen für die Kinder, die an der Anonymität ihrer Herkunft lebenslang zu tragen haben, sowie für Mütter und manchmal auch Väter, denen der Kontakt zu ihren leiblichen Kindern lebenslang verschlossen ist.

Im November 2009 hat der Deutsche Ethikrat daher empfohlen, die vorhandenen Babyklappen und bisherigen Angebote zur anonymen Geburt aufzugeben, begleitend die öffentlichen Informationen über die bestehenden legalen Hilfsangebote zu verstärken und Schwangeren/Müttern durch Gesetz eine „vertrauliche Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung“ zu ermöglichen. Dieser Vorschlag hat zu heftigen Reaktionen geführt.

Der Deutsche Ethikrat möchte in dieser Veranstaltung mit Vertretern aus Praxis, Politik und Medien diskutieren, welche Entwicklungen es in deren Bereichen seither gab.

  • Wie wurde die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates in der Öffentlichkeit aufgenommen?
  • Welche Aspekte der Stellungnahme wurden besonders thematisiert und welche wurden nicht wahrgenommen?
  • Welche Auswirkungen gibt es in der Politik und bei den Trägern der Angebote ein Jahr nach der Stellungnahme?

Programm

Begrüßung
Prof. Dr. med. Christiane Woopen
Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Vorträge
Joelle Coutinho
Deutsches Jugendinstitut
Präsentation

Maria Elisabeth Thoma
Bundesvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen

Volker Stollorz
Freier Wissenschaftsjournalist
Präsentation

Podium

Ulrike Herpich-Behrens
Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin

Ingrid Fischbach, MdB
Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Maria Geiss-Wittmann
Vorsitzende des Beirats von Donum Vitae in Bayern

Volker Stollorz
Freier Wissenschaftsjournalist

Prof. Dr. phil. Weyma Lübbe
Mitglied des Deutschen Ethikrates

Moderation: 
Prof. Dr. med. Christiane Woopen
Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates