Pro + Contra: Widerspruchsregelung bei der Organspende

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Peter Dabrock

Prof. Dr. Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates (© Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen)
© Deutscher Ethikrat

Zum Thema

In Deutschland warten derzeit über 10.000 Menschen, oft jahrelang, auf ein Spenderorgan. Zugleich ist die Anzahl der Organspender rückläufig und hat mit weniger als 800 Spendern im Jahr 2017 einen Tiefpunkt erreicht. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sterben statistisch gesehen täglich drei Personen, die auf einer Warteliste für ein Organ stehen. Dies liegt nicht unbedingt an der fehlenden Spendebereitschaft. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen 84 Prozent der Bevölkerung der Organspende positiv gegenüber. Allerdings besitzen nur 36 Prozent einen Organspendeausweis.

Um strukturelle Hindernisse bei der Organspende zu beheben, hat das Bundeskabinett beschlossen, dem Deutschen Bundestag das zweite Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) zur Entscheidung vorzulegen. Ergänzend findet derzeit aber auch eine Debatte darüber statt, ob zukünftig anstelle der mit der ersten Novelle des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012 eingeführten Entscheidungsregelung eine Widerspruchsregelung etabliert werden soll, um die Anzahl der gespendeten Organe zu erhöhen. Demnach käme als Organspender in Betracht, wer zu Lebzeiten keinen Widerspruch eingelegt hat. Im Fall des nachgewiesenen Hirntods des potenziellen Spenders können auch Angehörige noch der Spende widersprechen. In einigen europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich, Polen oder Spanien werden bereits Varianten der Widerspruchsregelung angewendet.

Der Deutsche Ethikrat möchte zur Debatte in Parlament und Öffentlichkeit beitragen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Forum Bioethik" soll aus den Perspektiven von Medizin, Ethik und Recht über das Für und Wider der unterschiedlichen Regelungsoptionen diskutiert werden.

Programm

Begrüßung
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

Recht und Ethik
Pro: Reinhard Merkel · Deutscher Ethikrat
Präsentation (pdf)
Contra: Wolfram Höfling · Deutscher Ethikrat
Präsentation (pdf)

Medizin und Ethik
Pro: Wolfram Henn · Deutscher Ethikrat
Präsentation (pdf)
Contra: Claudia Wiesemann · Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates
Präsentation (pdf)

Podiumsdiskussion mit den Vortragenden und dem Publikum
Moderation: Alena Buyx · Deutscher Ethikrat

Schlusswort
Peter Dabrock · Vorsitzender des Deutschen Ethikrates