Alte Probleme – Neue Krankheiten. Überflüssige Medikalisierung oder notwendige Therapie?

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Die zuverlässige Diagnostik von Krankheiten ist der Ausgangspunkt für eine zielgerichtete Therapie. Patienten sollten in ihrem eigenen Interesse nur dann behandelt werden, wenn eine Erkrankung tatsächlich vorliegt und es möglichst evidenzbasierte Therapien für ihre Behandlung gibt. Doch was überhaupt als Krankheit betrachtet und behandelt wird, hängt nicht immer nur von medizinischen Fakten ab. Auch kulturelle und wirtschaftliche Faktoren können eine Rolle dabei spielen, dass manche Krankheiten geradezu in Mode geraten.

Prof. Dr. Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Zum Thema

Die zuverlässige Diagnostik von Krankheiten ist der Ausgangspunkt für eine zielgerichtete Therapie. Patienten sollten in ihrem eigenen Interesse nur dann behandelt werden, wenn eine Erkrankung tatsächlich vorliegt und es möglichst evidenzbasierte Therapien für ihre Behandlung gibt. Doch was überhaupt als Krankheit betrachtet und behandelt wird, hängt nicht immer nur von medizinischen Fakten ab. Auch kulturelle und wirtschaftliche Faktoren können eine Rolle dabei spielen, dass manche Krankheiten geradezu in Mode geraten.

Der Deutsche Ethikrat wird sich im Rahmen seiner Veranstaltung der Reihe "Forum Bioethik" mit den ethischen Herausforderungen befassen, die sich durch solche Modeströmungen im Gesundheitssystem ergeben können, und dabei vor allem die folgenden Fragen in den Blick nehmen:

  • Werden normale lebensweltliche Phänomene und Varianten zu Krankheiten umgedeutet und neue Krankheiten frei erfunden?
  • Wie kann zwischen bloßen Krankheitserfindungen und tatsächlichen Diagnose- und Therapienotwendigkeiten unterschieden werden?
  • Wie tragen die Interessen von z. B. Pharmaindustrie, Ärzten oder Medien dazu bei, dass bestimmte Krankheiten in Mode kommen?
  • Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen befördern die Pathologisierung eigentlich normaler Lebensphänomene?
  • Führen solche Krankheitsmoden zu Überdiagnose und Übertherapie?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, einer überschießenden Medikalisierung vorzubeugen oder dagegen anzusteuern?

Begrüßung und Einführung
Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Krankheitsmoden im Wandel der Zeiten
Michael Stolberg · Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Erfundene Krankheiten? Zur aktuellen Problematik des Disease Mongering
Gisela Schott · Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

Normative Fragen zum Umgang mit Krankheitsmoden
Thomas Schramme · Universität Hamburg
Präsentation

Podiumsdiskussion: Modekrankheiten – Prêt-à-traîter?
Jörg Blech · Der Spiegel
Christiane Fischer · MEZIS e. V. und Mitglied des Deutschen Ethikrates
Boris Quednow · Universität Zürich
Lothar Weißbach · Stiftung Männergesundheit
Moderation: Wolf-Michael Catenhusen · Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Ethikrates