Öffentliche Anhörung

Möglichkeiten und Grenzen prädiktiver genetischer Diagnostik multifaktorieller Erkrankungen

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

In den letzten Jahren wurden in der molekulargenetischen Forschung erhebliche Fortschritte erreicht, die neue Anwendungen in der Medizin hinsichtlich der Aufklärung von Krankheitsursachen und Risikoprognosen erwarten lassen. Genetische Analysen werden folglich zunehmend zum integralen Bestandteil der gängigen klinische Praxis. Genetische Befunde können jedoch potenziell weitreichende Konsequenzen haben. So hat die aktuelle Diskussion über den nicht invasiven pränatalen Test zum Ausschluss von Trisomie 21 aufgezeigt, dass neue diagnostische Verfahren tiefgreifende gesellschaftliche Folgen, wie z. B. für den Umgang mit Behinderung haben können.

Referenten und Ratsmitglieder im Gespräch, Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

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In den letzten Jahren wurden in der molekulargenetischen Forschung erhebliche Fortschritte erreicht, die neue Anwendungen in der Medizin hinsichtlich der Aufklärung von Krankheitsursachen und Risikoprognosen erwarten lassen. Genetische Analysen werden folglich zunehmend zum integralen Bestandteil der gängigen klinische Praxis. Genetische Befunde können jedoch potenziell weitreichende Konsequenzen haben. So hat die aktuelle Diskussion über den nicht invasiven pränatalen Test zum Ausschluss von Trisomie 21 aufgezeigt, dass neue diagnostische Verfahren tiefgreifende gesellschaftliche Folgen, wie z. B. für den Umgang mit Behinderung haben können.

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung den Deutschen Ethikrat beauftragt, eine Stellungnahme zur Zukunft der genetischen Diagnostik zu erarbeiten.

Hierzu möchte der Ethikrat im Rahmen einer öffentlichen Anhörung am 3. Mai 2012 die derzeitigen und zu erwartenden künftigen Möglichkeiten und Grenzen  prädiktiver genetischer Diagnostik bei multifaktoriellen Erkrankungen beleuchten. Bereits im März hatten Experten während einer ersten Anhörung zu den wissenschaftlich-technischen Entwicklungen bei den Methoden der genetischen Diagnostik Auskunft gegeben.

Die Anhörung am 3. Mai wird fokussieren, wie diese neuen Untersuchungsmethoden derzeit bereits in der Praxis für die Ermittlung von Erkrankungsrisiken eingesetzt werden können und welche Entwicklungen hier in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Im Mittelpunkt stehen dabei der Einsatz der genetischen Diagnostik bei der Vorhersage weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Darmerkrankungen, psychiatrischen Erkrankungen und Stoffwechselkrankheiten.

Das Risiko, an einem solchen Leiden zu erkranken, wird dabei von vielen verschiedenen genetischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst, die in jedem Betroffenen unterschiedlich zusammenwirken. Zur Bestimmung der Rolle dieser Faktoren sind umfangreiche Untersuchungen vieler Personen (genomweite Assoziationsstudien) notwendig. Die hiermit verbundenen Herausforderungen auf den Gebieten der genetischen Epidemiologie, der Bioinformatik und der Anlage und Nutzung von Biobanken sind ebenfalls Thema der Anhörung.

Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, an der Anhörung als Zuhörer teilzunehmen.

Programm

Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. med. Christiane Woopen · Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Block 1: Genetische Diagnostik bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmerkrankungen, psychiatrische Erkrankungen und Stoffwechselkrankheiten

Prof. Dr. med Heribert Schunkert · Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck
Präsentation

Prof. Dr. med. Stefan Schreiber · Christian-Albrechts-Universität, Kiel
(Vortrag gehalten von Prof. Dr. rer. nat. Michael Krawczak · Christian-Albrechts-Universität, Kiel)
Präsentation

Prof. Dr. med. Markus M. Nöthen · Biomedizinisches Zentrum der Universitätsklinik, Bonn
Präsentation

PD Dr. rer. nat. Günter Müller · Sanofi-Aventis Pharma Deutschland GmbH, Frankfurt
Präsentation

Befragung durch die Mitglieder des Ethikrates

Block 2: Genetische Diagnostik bei Krebserkrankungen; Genetische Epidemiologie, Risikoschätzung, Prävention, Bioinformatik, Biobanken

Dr. rer. nat. Jörg Hoheisel · Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg
Präsentation

Prof. Dr. rer. nat. Michael Krawczak · Christian-Albrechts-Universität, Kiel
Präsentation

Prof. Dr. med. Thomas Wienker · Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin
Präsentation

Befragung durch die Mitglieder des Ethikrates

Schlusswort und Verabschiedung
Wolf-Michael Catenhusen · Stv. Vorsitzender des Deutschen Ethikrates