Öffentliche Anhörung

Mensch-Tier-Mischwesen

dbb forum berlin, Atrium I-II, Friedrichstraße 169/170, 10117 Berlin

Seit den Anfängen menschlicher Kultur gibt es Darstellungen und Mythen von Mensch-Tier-Mischwesen, wie etwa die Zentauren in der griechischen Antike oder die Sphinx in Ägypten. Unsere heutige, wissenschaftlich geprägte Gesellschaft geht hingegen von einer klaren Abgrenzung zwischen den Tierarten und insbesondere zwischen Mensch und Tier aus.

Zum Thema

Seit den Anfängen menschlicher Kultur gibt es Darstellungen und Mythen von Mensch-Tier-Mischwesen, wie etwa die Zentauren in der griechischen Antike oder die Sphinx in Ägypten. Unsere heutige, wissenschaftlich geprägte Gesellschaft geht hingegen von einer klaren Abgrenzung zwischen den Tierarten und insbesondere zwischen Mensch und Tier aus.

Allerdings erforscht die Wissenschaft die Mischung von menschlichen und tierischen Zellen oder Geweben bereits seit Jahrzehnten, etwa in der Forschung zum Gewebe- oder Organersatz beim Menschen durch tierisches Gewebe. Auch die Schaffung von Mäusen mit menschlichen Genen als „Modellorganismen“ zur Erforschung menschlicher Krankheiten und Entwicklungsprozesse ist seit den 80er-Jahren breit etabliert. Durch die Stammzellforschung entstehen weitere Möglichkeiten der Mensch-Tier-Mischwesenbildung. Experimentell aus menschlichen Stammzellen gewonnene Nerven-Vorläuferzellen werden in das Hirn von Versuchstieren, auch von Primaten, übertragen. Gerade das Hirn als Sitz des menschlichen Bewusstseins ist nach unserem Verständnis aber von zentraler Bedeutung für die Unterscheidung von Mensch und Tier. In Großbritannien gab es zudem kürzlich eine große öffentliche Debatte über die Bildung von sogenannten cytoplasmatischen Hybriden, bei denen ein menschlicher Zellkern in eine entkernte tierische Eizelle verpflanzt wird, um embryonale Stammzellen herzustellen.

Die Herstellung von Mensch-Tier-Mischwesen wirft eine Reihe ethischer Fragen auf:

Sind wir dabei, die bislang scheinbar so klare Grenze zwischen Mensch und Tier zu verwischen?
Stellen sich durch die Erzeugung von Mensch-Tier-Mischwesen grundsätzliche Fragen an unser Menschenverständnis?
Gibt es Grenzen bei der Menge und Art der menschlichen Gene, Zellen, Gewebe und Eigenschaften, die man auf Tiere übertragen darf, ohne dass sich ihr moralischer Status ändert?
Zu diesen und ähnlichen Fragen erarbeitet der Deutsche Ethikrat derzeit eine Stellungnahme, deren Ziel es ist, einen Beitrag zur Analyse und Bewertung ethisch relevanter Entwicklungen auf dem Feld der Herstellung von Mischwesen zwischen Mensch und Tier in der Forschung zu leisten und Antworten auf die Frage zu geben, ob und – wenn ja – wo Handlungsbedarf für Wissenschaft, Gesellschaft oder Politik besteht.

Am 25. Februar werden die Mitglieder des Deutschen Ethikrates im Rahmen einer öffentlichen Anhörung von 10.00 bis 15.00 Uhr im dbb forum berlin (Friedrichstraße 169/170, 10117 Berlin) mit Ethikern aus Großbritannien, den USA und Österreich diskutieren, die sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit schwerpunktmäßig mit dem Thema Mensch-Tier-Mischwesen beschäftigen.

Interessenten sind eingeladen, an dieser Anhörung als Zuhörer teilzunehmen. Der Deutsche Ethikrat interessiert sich auch für ihre Ansichten zum Thema Mensch-Tier-Mischwesen und wird deshalb im Rahmen der Anhörung eine schriftliche Befragung interessierter Gäste durchführen. In dem hier abrufbaren Fragebogen sind neben den Fragen auch Hintergrundinformationen zum Thema zusammengetragen worden. Antworten können sowohl vor der Anhörung vermerkt werden, als auch im Anschluss an die Anhörung, um eventuelle Ergänzungen oder Meinungsänderungen zu notieren, die sich aus der Anhörung ergeben.

Programm

Begrüßung
Prof. Dr. jur. Edzard Schmidt-Jortzig, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates 

Wolf-Michael Catenhusen, Mitglied des Deutschen Ethikrates

Thematische Einführung
Prof. Dr. med. Jens Reich, Mitglied des Deutschen Ethikrates
Präsentation

Beiträge der externen Sachverständigen
Prof. Dr. med. Dr. theol. Matthias Beck, Universität Wien
Präsentation

Prof. Dr. Robert Streiffer, University of Wisconsin, Madison
Präsentation

Prof. Dr. Mark Greene, University of Delaware
Präsentation

Prof. Dr. John Harris, University of Manchester
Präsentation

Diskussion zwischen Referenten und Ratsmitgliedern
Moderation: Wolf-Michael Catenhusen, Mitglied des Deutschen Ethikrates