Eingriffe in die menschliche Keimbahn

Neue molekularbiologische Verfahren, die besonders leichte, schnelle und präzise Veränderungen des Genoms erlauben und unter dem Begriff Genome-Editing zusammengefasst werden, lassen Eingriffe in die menschliche Keimbahn in näherer Zukunft technisch machbar erscheinen.

Auf lange Sicht besteht das vorrangige Ziel des Genome-Editings von Keimzellen oder Embryonen darin, Genvarianten, die Krankheiten verursachen oder ein Erkrankungsrisiko erhöhen können, in allen Zellen des Körpers zu beseitigen. Diese Veränderungen werden auch an potenzielle Nachkommen weitergegeben. Damit stellen sich komplexe und grundlegende ethische Fragen zur Zulässigkeit solcher Eingriffe in neuer Dringlichkeit.

Der Deutsche Ethikrat verfolgt und gestaltet den Diskurs über Keimbahneingriffe am Menschen bereits seit Längerem. Er hat am 29. September 2017 in seiner einstimmig verabschiedeten Ad-hoc-Empfehlung Keimbahneingriffe am menschlichen Embryo einige der zahlreichen noch offenen Fragen und möglichen Konsequenzen systematischer Genomveränderungen beim Menschen benannt und im Dezember 2017 mit der Erarbeitung einer Stellungnahme zum Thema begonnen.

Ziel der Stellungnahme ist es, die vielfältigen Argumente hinter den möglichen Antworten auf die Frage aufzuzeigen, ob und unter welchen Umständen Eingriffe in die menschliche Keimbahn verboten, erlaubt oder gar geboten sein sollten. Dabei spielen nach Auffassung des Deutschen Ethikrates beispielsweise die folgenden Punkte eine Rolle:

  • Welche Krankheiten sollen verhindert werden und wie sind die Chancen und Risiken der neuen Techniken jeweils im Vergleich zu etablierten Methoden, wie zum Beispiel der Präimplantationsdiagnostik, einzuordnen?
  • Wo verläuft die Grenze zwischen verantwortbaren und nicht verantwortbaren Risiken?
  • Was empfiehlt sich im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen?
  • Welche gesellschaftlichen und kulturellen Folgen könnten solche Eingriffe nach sich ziehen?
  • Setzt eine Pflicht zur Bewahrung des "Natürlichen" dem Genome-Editing Grenzen?
  • Inwieweit könnte eine breitere Anwendung der Technik auch zur "Verbesserung" des Menschen vertretbar sein?
  • Welche internationalen Regulierungsmöglichkeiten sind denkbar?

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