Intersexualität

Der Deutsche Ethikrat hat am 23. Februar 2012 seine im Auftrag der Bundesregierung erarbeitete Stellungnahme zur Situation intersexueller Menschen in Deutschland veröffentlicht. Er ist der Auffassung, dass intersexuelle Menschen als Teil gesellschaftlicher Vielfalt Respekt und Unterstützung der Gesellschaft erfahren müssen. Zudem müssen sie vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung in der Gesellschaft geschützt werden.

Der Begriff Intersexualität bezieht sich auf Menschen, die sich aufgrund körperlicher Besonderheiten nicht eindeutig als "männlich" oder „weiblich“ einordnen lassen. Er wird in der Öffentlichkeit für unterschiedliche Besonderheiten der geschlechtlichen Entwicklung verwendet. Teilweise werden auch Menschen darunter gefasst, die sich selbst nicht als intersexuell verstehen und sich sogar gegen diesen Begriff verwahren. Der Ethikrat verwendet daher in seiner Stellungnahme DSD (differences of sex development) als medizinischen Oberbegriff für alle Besonderheiten der geschlechtlichen Entwicklung. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Formen von DSD bringen jeweils besondere Probleme und Bedürfnisse der Betroffenen mit sich. Sie erfordern eine differenzierte ethische und rechtliche Bewertung.

Im Vorfeld der Erarbeitung dieser Stellungnahme hat der Deutsche Ethikrat im Rahmen eines mehrstufigen Diskursverfahrens den Dialog mit Betroffenen und ihren Selbsthilfeorganisationen sowie Sachverständigen fortgesetzt, den er mit seiner öffentlichen Veranstaltung Intersexualität – Leben zwischen den Geschlechtern bereits im Juni 2010 aufgenommen hatte.

Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Ethikrat am 2. Mai 2011 in einem ersten Schritt eine Befragung von Menschen mit Intersexualität gestartet, an der sich alle Interessierten bis zum 19. Juni 2011 beteiligen konnten (siehe Auswertung). Ergänzend zu dieser Befragung von Betroffenen hat der Ethikrat Ärzte, Therapeuten, Sozialwissenschaftler und Juristen mit einschlägiger Expertise um eine schriftliche Stellungnahme gebeten.

Als zweiten Schritt zur Erarbeitung der Stellungnahme hat der Ethikrat am 8. Juni 2011 in Berlin eine öffentliche Anhörung veranstaltet, zu der Menschen mit Intersexualität und Experten verschiedener Fachrichtungen eingeladen wurden.

Im Anschluss an diese Anhörung startete der Ethikrat in einem dritten Schritt einen Online-Diskurs, um nicht nur weitere wichtige Informationen zu gewinnen, sondern auch einen wechselseitigen Austausch von Betroffenen und Experten in Gang zu setzen (siehe auch Dokumentation). Auf diese Weise hat der Deutsche Ethikrat eine solide empirische Basis für seine Stellungnahme geschaffen.

Publikationen


Veranstaltungen


Presse