Anonyme Kindesabgabe

Die seit 1999 in Deutschland eingerichteten Babyklappen sowie die Angebote zur anonymen Geburt wurden mit dem Ziel geschaffen, Kindsaussetzungen und -tötungen zu verhindern. Schätzungen zufolge sind durch diese Angebote seit ihrer Einführung mehr als 500 Kinder zu Findelkindern mit dauerhaft anonymer Herkunft geworden. Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe sind ethisch und rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen. Die bisherigen Erfahrungen legen zudem nahe, dass Frauen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihr Neugeborenes töten oder aussetzen, von diesen Angeboten gar nicht erreicht werden. Darüber hinaus ist die Not- oder Konfliktsituation der Frauen durch eine Abgabe des Kindes nicht schon gelöst. In vielen Fällen ist das Leid der Frauen, die ohne Einbindung in einen Beratungskontext das Angebot einer anonymen Abgabe angenommen haben, später nur umso größer. Die Angebote können schwerwiegende Folgen für die psychische Entwicklung der Kinder haben, die unter der Anonymität ihrer Herkunft lebenslang leiden können, sowie für Mütter und manchmal auch Väter, denen der Kontakt zu ihren leiblichen Kindern lebenslang verschlossen ist. Die Angebote werden allerdings kontrovers und hoch emotional diskutiert, da ihre Befürworter davon ausgehen, dass sie gerechtfertigt sind, wenn auch nur ein Leben gerettet werde. Der Deutsche Ethikrat hat am 26. November 2009 seine Stellungnahme Das Problem der anonymen Kindesabgabe veröffentlicht.

Publikationen


Veranstaltungen

Anonyme Geburt/Babyklappe

23. Oktober 2008
10:30 Uhr - 16:30 Uhr

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38
10117 Berlin