"Vernünftiger" Umgang mit Tieren

Der Tierschutz ist seit 2002 erklärtes Staatsziel, und Tiere werden im Rahmen des Tierschutzgesetzes (TierSchG) als „Mitgeschöpfe“ vor Zufügen von Leid, Schmerz oder Schaden ohne „vernünftigen Grund“ geschützt. Ob die Umsetzung dieser Vorgaben in der Praxis angemessen gelingt, wird jedoch immer wieder hinterfragt. So urteilte das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2019 mit Blick auf das sogenannte „Kükenschreddern“, rein ökonomische Belange reichten nicht als „vernünftiger Grund“ im Sinne des TierSchG aus. Dennoch bleibt das Töten von jährlich ca. 45 Mio. männlichen Küken in der Legehennenzucht als Übergangslösung vorerst erlaubt. Auch die Bedingungen bei der Haltung und Schlachtung von Hühnern, Schweinen oder Rindern lösen regelmäßig mediale, politische und gesellschaftliche Debatten aus, zum Beispiel in jüngerer Zeit rund um die Frage einer Tierwohlkennzeichnung.

Der Deutsche Ethikrat nimmt diese aktuellen Debatten zum Anlass, den Umgang mit sogenannten Nutztieren rechtlich und ethisch kritisch zu beleuchten. Die Arbeitsgruppe wird dabei sowohl Differenzen und Diskrepanzen beim Umgang mit und der Beziehung zu verschiedenen Tieren in den Blick nehmen als auch die offenkundigen Spannungen zwischen tierschutzrechtlichen Vorgaben und bestimmten Aspekten der landwirtschaftlichen Praxis. Ziel des Projektes ist es, sowohl die ethischen Schutzgüter als auch die Kriterien, nach denen diese zugunsten anderer Interessen eingeschränkt werden dürfen, klarer zu bestimmen und Wege aufzuzeigen, wie eine solche Interessenabwägung künftig aufrichtiger und konsequenter gelingen könnte.